Agent, Automatisierung oder Assistent?

Wenn ich Werkzeuge für den Werkzeugkasten auf robin.vision vergleiche, steht in vielen Beschreibungen das Wort Agent. Gemeint ist damit sehr Unterschiedliches – und für die Auswahl ist genau dieser Unterschied entscheidend.
Drei Arten von Software werden gerade gern in einen Topf geworfen. Eine Automatisierung führt feste Regeln aus: gleiche Eingabe, gleiches Ergebnis. Sie ist schnell und prüfbar, kennt aber nur, was jemand vorher festgelegt hat. Ein Assistent beantwortet Fragen und macht Vorschläge; entscheiden und handeln tut der Mensch. Ein Agent dagegen verfolgt ein Ziel, entscheidet selbst über den nächsten Schritt und führt ihn aus – auch dort, wo keine Regel vorgegeben ist.
Gartner nennt die Verwechslung „Agent Washing“: Vorhandene Produkte wie KI-Assistenten, Robotic Process Automation oder Chatbots werden als Agenten vermarktet, ohne nennenswerte agentische Fähigkeiten. Nach Schätzung von Gartner sind von Tausenden Anbietern agentischer KI nur etwa 130 echt (Pressemitteilung vom 25.06.2025). Viele Anwendungsfälle, die heute als agentisch gelten, benötigten gar keinen Agenten. Die Empfehlung dort ist nüchtern: Agenten, wo Entscheidungen nötig sind, Automatisierung für Routine, Assistenten für einfache Abfragen.
Ein erfundenes Beispiel: Ein Anbieter wirbt mit einem KI-Agenten für den Belegeingang. Im Test ordnet die Software jede Rechnung anhand des Absenders einem Konto zu – eine feste Regel, wie sie viele Buchhaltungsprogramme kennen. Das ist nützlich, aber kein Agent. Anders bei einer Rechnung, die zu keiner Bestellung passt: Hier ist eine Entscheidung nötig. Ein Agent dürfte sie vorbereiten, die Rückfrage an den Lieferanten formulieren und den Vorgang anhalten, bis ein Mensch entschieden hat.
Für die Auswahl folgt daraus eine einfache Prüffrage an jeden Anbieter: Was entscheidet Ihr Agent selbst, und wo hält er an? Lautet die Antwort „nichts“, ist es eine Automatisierung – und die ist oft die bessere Wahl, weil sie sich prüfen lässt. Wie im Impuls „Fehler skalieren“ beschrieben, wiederholen Regeln ihre Fehler; ein Agent kann zusätzlich neue machen. Beides braucht jemanden, der hinschaut.
Wo würde in Ihrer Kanzlei ein Agent wirklich etwas entscheiden – und wo reicht eine gute Regel?