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Agenten brauchen ein Budget

Illustration: Ein grün gestrichelter Datenstrom fächert sich in neun Bahnen auf, die an einer kupfernen Schranke enden. Nur die mittlere Bahn führt durch eine Lücke weiter zu einer einzelnen Ergebniskarte.

Ende Oktober habe ich einem KI-Agenten drei Aufträge für meine eigene Website gegeben. Er verteilte die Arbeit selbständig auf viele Unteragenten, Prüfer und Gegenprüfer. In einer Woche waren zweimal das Kontingent eines Modells und das Wochenlimit meines Abos aufgebraucht. In einem Lauf lieferten von 40 Unteragenten zwei ein Ergebnis. Die Fehler, die am Ende zählten, hätte nach meiner Einschätzung auch eine gezielte Einzelprüfung gefunden. Das lag nicht am Anbieter: Ich hatte weder ein Budget noch ein Ergebnis festgelegt.

Bei einem Agenten kostet nicht die einzelne Frage, sondern der Ablauf, den er selbst wählt: Schritte, Wiederholungen, parallele Unteragenten, Neustarts. Ohne Grenze wächst der Verbrauch, der Nutzen nicht unbedingt. Das ist eine Controlling-Aufgabe wie bei jedem anderen Dienstleister.

Das gilt bei allen Anbietern, nur die Einheit ändert sich. Anthropic begrenzt die Claude-Abos über ein Fünf-Stunden-Fenster und Wochenlimits; Modell und Aufwandsstufe wirken sich aus. Mit dem Mehragenten-Modus „Ultracode“ in Claude Code verbraucht laut Dokumentation jede Anfrage mehr Tokens, die Limits sind früher erreicht. OpenAI schreibt zu Codex, dass ähnlich aussehende Aufgaben unterschiedlich viel vom Kontingent verbrauchen können. Microsoft rechnet Copilot Studio in Credits ab: 2 für eine generative Antwort, 5 für eine Agentenaktion (alles Stand 05.11.2026). Art. 4 Abs. 1 der KI-Verordnung verlangt seit der Neufassung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 Maßnahmen, die die KI-Kompetenz des Personals unterstützen. Von Kosten steht dort nichts. Ich zähle den wirtschaftlichen Umgang trotzdem dazu.

Ein erfundenes Beispiel: Ein Büro lässt einen Agenten „alle Rechnungen des Jahres prüfen“, ohne Grenze. Er startet Prüfer für jeden Monat, bricht am Limit ab, und niemand weiß, welche Monate fertig sind. Dieselbe Aufgabe mit Stichprobe: ein Monat, ein kleines Modell, eine feste Obergrenze, am Ende eine Liste der Abweichungen. Danach entscheidet ein Mensch, ob sich der Rest lohnt.

Daraus habe ich fünf Regeln gemacht. Erstens: Budget vor dem Auftrag – wie viel darf die Aufgabe kosten? Zweitens: das Ergebnis vorher festlegen – was liegt am Ende vor, woran erkenne ich es? Drittens: das kleinste passende Modell und die niedrigste passende Denkstufe, groß nur, wo Fehler teuer sind. Viertens: Parallelität bewusst einschalten und nach einem Abbruch nicht automatisch neu starten. Fünftens: Zwischenstände und ein Protokoll – was wurde wofür verbraucht? In den Workshops ab Januar 2027 wird das ein eigenes Kapitel.

Wissen Sie, was Ihr letzter Agentenlauf verbraucht hat – und was dabei herauskam?